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Universität St. Gallen · Bachelor

HSG Aufnahmetest: Aufgabenstellungen in drei Durchgängen entschlüsseln

Ein Leseschema für Bedingung, gesuchte Größe und Antwortformat mit eigenen Übungsbeispielen.

Für Anmeldung, Termine und den allgemeinen Ablauf: unser Überblick zum HSG-Auswahlverfahren.

Junger Mann liest an einem Schreibtisch Unterlagen und hält einen Stift für Notizen bereit.

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Wenn du bei quantitativen Aufgaben oder Datendarstellungen wiederholt danebenliegst, obwohl du rechnen kannst, liegt das Problem oft vor der Rechnung: Du hast die Aufgabenstellung nicht präzise entschlüsselt. Für die Vorbereitung auf den Online-Eignungstest der Universität St.Gallen (HSG) empfehlen wir drei kurze Lesedurchgänge. Im ersten erkennst du das Ziel, im zweiten ordnest du Daten und Bedingungen, im dritten prüfst du die genaue Antwortform. Die HSG nennt quantitatives Problemlösen sowie Diagramme und Tabellen als Testbereiche. Die folgenden Übungen sind eigene Zulassungscoach-Beispiele zur Lesetechnik; sie bilden keine offiziellen Prüfungsfragen ab.

Warum drei Durchgänge schneller sein können als ein hastiger

Eine Aufgabenstellung enthält meist mehr als eine Zahl. Sie beschreibt einen Kontext, definiert Größen, formuliert eine Bedingung und fragt nach einem Ergebnis. Unter Zeitdruck springen viele direkt zu einer Rechnung. Wenn aber die gesuchte Größe falsch verstanden wurde, hilft ein korrekter Rechenweg nicht. Drei kurze Durchgänge wirken zunächst aufwendig, vermeiden jedoch vollständige Fehlansätze.

Im ersten Durchgang liest du die Frage bis zum Ende und formulierst das Ziel in eigenen Worten: „Gesucht ist die Änderung des Anteils“, „Gesucht ist der absolute Unterschied“ oder „Gesucht ist die einzige Aussage, die aus der Tabelle folgt.“ Im zweiten markierst du die benötigten Daten, Einheiten und Bedingungen. Im dritten liest du die Frage und die Antwortform erneut: Sollst du einen Betrag, eine Prozentzahl, einen Zeitraum oder eine Schlussfolgerung liefern?

Wir empfehlen, die drei Durchgänge zunächst ohne Zeitlimit zu üben. Später verkürzt du sie, ohne einen Schritt auszulassen. Die Methode ist kein vorgeschriebener Ablauf des HSG-Tests. Sie soll dir helfen, die von der HSG genannten Denk- und Problemlösefähigkeiten kontrolliert einzusetzen.

Durchgang eins: Die gesuchte Größe benennen

Beginne nicht mit „Welche Zahlen sehe ich?“, sondern mit „Was soll am Ende dastehen?“ Das ist besonders wichtig bei Formulierungen wie „Wie viel größer“, „Um wie viel Prozent“, „Welcher Anteil“ oder „Welche Aussage trifft zu“. Diese Ausdrücke verlangen verschiedene Ergebnisse. Eine absolute Differenz hat eine Einheit, zum Beispiel Personen. Ein Anteil ist eine relative Größe, oft in Prozent. Eine Verhältniszahl kann auch ohne Prozentzeichen sinnvoll sein.

Zulassungscoach-Übung 1: In einem fiktiven Kurs steigt die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 80 auf 100. Die Frage lautet: „Um wie viel Prozent ist die Teilnehmerzahl gestiegen?“ Schreibe zunächst nur die Zielgröße auf. Gesucht ist eine relative Änderung bezogen auf die ursprünglichen 80, nicht die Differenz 20 und nicht der neue Anteil 100 von 80. Erst danach rechnest du: Differenz 20, geteilt durch Ausgangswert 80, ergibt 0,25 oder 25 Prozent.

Ändern wir nur die Frage: „Um wie viele Personen ist die Teilnehmerzahl gestiegen?“ Jetzt lautet die Antwort 20 Personen. Die Daten sind identisch, die Rechenaufgabe ist anders. Genau diese Trennung trainierst du im ersten Durchgang. Wir empfehlen, vor jeder Rechnung eine kurze Antwortschablone zu schreiben: „Gesucht: ___ in der Einheit ___.“

Durchgang zwei: Daten, Bedingungen und Bezugsgrößen ordnen

Im zweiten Durchgang markierst du relevante Angaben. Nicht jede Zahl in einer Aufgabe wird gebraucht. Bei einer Tabelle können zusätzlich mehrere Zeilen ähnlich aussehen. Ordne deshalb jedem Wert seine Kategorie, seinen Zeitpunkt und seine Einheit zu. Wenn die Frage nach einer Veränderung fragt, identifiziere ausdrücklich Start- und Endwert. Wenn ein Anteil gesucht ist, benenne Zähler und Nenner.

Zulassungscoach-Übung 2: Eine fiktive Tabelle zeigt für zwei Lerngruppen: Gruppe A hat im Januar 30 von 60 Teilnehmenden mit bestandenem Probetest, im Februar 45 von 90. Gruppe B hat im Januar 20 von 40 und im Februar 36 von 60. Gefragt wird: „In welcher Gruppe ist die Erfolgsquote von Januar bis Februar stärker gestiegen?“ Lies nicht nur die absoluten Erfolgszahlen. Für A beträgt die Quote in beiden Monaten 50 Prozent. Für B steigt sie von 50 auf 60 Prozent. Die korrekte Antwort ist Gruppe B.

Hier sind die Nenner entscheidend. Eine schnelle Betrachtung der erfolgreichen Personen würde A mit einem Plus von 15 und B mit einem Plus von 16 vergleichen. Das zufällige Ergebnis wäre zwar ebenfalls B, aber aus dem falschen Grund. Bei anderen Zahlen führte dieser Denkweg in die Irre. Notiere in deiner Auswertung deshalb nicht nur die richtige Antwort, sondern auch, ob du die richtige Bezugsgröße verwendet hast.

Ein weiterer Bestandteil des zweiten Durchgangs sind Einschränkungen wie „nur“, „mindestens“, „höchstens“, „ohne“, „jeweils“ oder „insgesamt“. Unterstreiche solche Wörter. „Mindestens 60“ umfasst 60 selbst; „mehr als 60“ beginnt darüber. Ein übersehenes Wort kann eine ansonsten saubere Lösung kippen.

Durchgang drei: Die Antwortform und Aussagegrenze prüfen

Nachdem du gerechnet hast, liest du die Frage ein letztes Mal. Stimmen Einheit und Bedeutung deiner Antwort? Wenn nach Prozentpunkten gefragt ist, darfst du nicht einen relativen Prozentanstieg ausgeben. Wenn die Frage eine Aussage aus einer Grafik verlangt, darf deine Antwort nicht mehr behaupten, als die Darstellung zeigt.

Zulassungscoach-Übung 3: Eine fiktive Grafik zeigt, dass im Jahr 2025 mehr Studierende als im Jahr 2024 an einer Befragung teilnahmen. Eine Antwortoption lautet: „Das Interesse aller Studierenden an der Befragung ist gestiegen.“ Diese Aussage folgt nicht zwingend, weil sich die Gesamtzahl der Studierenden ebenfalls verändert haben könnte und die Grafik nur Teilnahmen zeigt. Eine engere Aussage wie „Die absolute Zahl der Teilnahmen ist gestiegen“ wäre durch die Beschreibung gedeckt.

Der dritte Durchgang ist also nicht bloß ein Rechencheck. Er ist ein Bedeutungscheck. Frage: Belegt meine Rechnung exakt die geforderte Aussage? Sind Zeitraum, Gruppe und Bezugsgröße gleich geblieben? Muss ich „kann“, „muss“ oder „ist“ unterscheiden? Gerade bei Tabellen und Diagrammen ist diese Vorsicht ein Zeichen guter Analyse, nicht von Unsicherheit.

Signalwörter als kleine Übersetzungshilfe

Signalwörter sind keine automatische Formel, aber sie weisen auf typische Denkoperationen hin. Erstelle dir beim Üben eine persönliche Liste, die aus eigenen Fehlern wächst. Vermeide eine riesige Auswendiglerntabelle; wenige bewusst angewandte Wörter sind nützlicher.

Ausdruck in der FrageErste KontrollfrageHäufige Verwechslung
„Wie viele mehr?“Sind absolute Einheiten gefragt?Prozentrechnung statt Differenz
„Um wie viel Prozent?“Welcher Wert ist die Ausgangsbasis?Durch Endwert teilen
„Welcher Anteil?“Was ist das Ganze?Zähler und Nenner vertauschen
„Im Durchschnitt“Welche Werte und Gewichte zählen?Einfacher statt gewichteter Mittelwert
„Mindestens“Ist der Grenzwert eingeschlossen?Strenges Größerzeichen verwenden
„Welche Aussage folgt?“Welche Daten belegen sie vollständig?Vermutung als Beleg behandeln

Wir empfehlen, bei jeder falsch gelösten Übung das übersehene Signalwort zu notieren. Wenn keines vorliegt, beschreibe die versteckte Struktur der Frage. So erkennst du, welche Formulierungen für dich tatsächlich schwierig sind.

Eine schwierigere Mischübung mit vollständigem Lösungsweg

Zulassungscoach-Übung 4: Eine fiktive Bibliothek meldet für Woche 1 insgesamt 400 Ausleihen, davon 120 digitale. In Woche 2 gibt es 500 Ausleihen, davon 175 digitale. Gefragt wird: „Um wie viele Prozentpunkte steigt der Anteil digitaler Ausleihen?“

Durchgang eins: Gesucht ist die Veränderung zweier Anteile in Prozentpunkten, nicht die absolute Zahl zusätzlicher digitaler Ausleihen. Durchgang zwei: Woche 1 hat 120 von 400 digital, also 30 Prozent. Woche 2 hat 175 von 500 digital, also 35 Prozent. Die Gesamtzahlen sind jeweils die korrekten Nenner. Durchgang drei: 35 minus 30 ergibt 5 Prozentpunkte. Die absoluten digitalen Ausleihen steigen dagegen um 55. Der relative Anstieg des Anteils wäre 5 geteilt durch 30, also rund 16,7 Prozent. Alle drei Zahlen beschreiben verschiedene Dinge; nur 5 Prozentpunkte beantworten die Frage.

Diese Übung verknüpft Lesetechnik, Bezugsgrößen und Antwortform. Wenn du sie falsch gelöst hast, frage nicht nur „Welche Formel fehlt mir?“. Prüfe, in welchem der drei Durchgänge du die Aufgabe anders verstanden hast.

Wie du die Methode unter Zeitdruck trainierst

Der HSG-Online-Eignungstest dauert insgesamt 70 Minuten. Die HSG veröffentlicht auf der aktuellen Auswahlseite keine allgemeine Aufgabenanzahl oder verbindliche Zeit pro Frage. Eine starre Sekundenregel wäre deshalb eine private Schätzung. Wir empfehlen stattdessen, die drei Durchgänge zu automatisieren: Ziel benennen, Daten ordnen, Antwort prüfen. Miss in eigenen Übungen, ob du dadurch weniger Fehlansätze hast.

Übe zunächst mit fünf Aufgaben ohne Uhr. Schreibe zu jeder die Zielgröße auf, bevor du rechnest. In der zweiten Einheit begrenzt du die Gesamtzeit moderat und markierst, bei welcher Aufgabe der Denkprozess stockt. In der dritten Einheit verwendest du neue Aufgaben und prüfst, ob die Methode auch bei unbekannten Kontexten hilft. Bekannte Aufgaben sind als Lerntest weniger aussagekräftig, weil du die Antwort bereits erinnerst.

Führe eine kleine Fehlerliste mit den Kategorien „Ziel falsch“, „Daten falsch“, „Antwortform falsch“ und „Rechnung falsch“. Wenn hauptsächlich die ersten drei auftreten, solltest du mehr Lesetechnik trainieren. Wenn die Rechnung dominiert, arbeite gezielt an den mathematischen Beziehungen. Diese Diagnose verhindert, dass du jedes Problem reflexhaft mit mehr Rechenaufgaben beantwortest.

Anwendung im offiziellen Übungstest und danach

Die HSG verlinkt einen Übungstest mit Beispielaufgaben. Nutze ihn, um die Lesemethode an der tatsächlichen Demo-Oberfläche auszuprobieren. Behaupte aus der Demo aber keine feste Aufgabenverteilung oder garantierte Punktzahl. Die Methode muss auch bei neuen Kontexten funktionieren.

Vor dem echten Test prüfst du zusätzlich die technischen Vorgaben: Notebook oder Desktopcomputer mit Kamera, Mikrofon und Ton; Smartphone und Tablet sind für den Online-Test nicht zugelassen. Ein einfacher Taschenrechner ist erlaubt, weitere Hilfsmittel wie Wörterbücher nicht. Der Testanbieter sendet nach HSG-Angaben ungefähr zehn Tage vor dem Termin genauere Informationen. Gute Lesetechnik braucht einen ruhigen, funktionierenden Rahmen.

Zusatzübung: Eine Frage, drei mögliche Lesarten

Zulassungscoach-Übung 5: Eine fiktive Tabelle nennt für Montag 80 Bearbeitungen und für Dienstag 100. Formuliere drei unterschiedliche Fragen an dieselben Daten. „Wie viele Bearbeitungen mehr?“ verlangt 100 − 80 = 20. „Um wie viel Prozent mehr als am Montag?“ verlangt 20/80 = 25 Prozent. „Welcher Anteil der Bearbeitungen beider Tage entfällt auf Dienstag?“ verlangt 100/(80+100) ≈ 55,6 Prozent. Die Zahlen ändern sich nicht, aber Zielgröße und Nenner wechseln jedes Mal.

Wir empfehlen, diese Übung mit eigenen kleinen Datensätzen zu wiederholen. Schreibe zuerst drei Fragen und lasse eine andere Person entscheiden, welche Rechnung jeweils nötig ist. Wenn sie deine Formulierung anders versteht, liegt das Problem möglicherweise in der Frage selbst. Diese Perspektive macht dich auf ungenaue oder vorschnell gelesene Formulierungen aufmerksam. Im Test orientierst du dich dann an der konkreten Aufgabenstellung und den angebotenen Antwortmöglichkeiten, ohne aus einem vertrauten Zahlenmuster automatisch dieselbe Rechnung zu machen.

Dein nächster Schritt

Nimm drei Aufgaben aus dem offiziellen Übungstest oder aus klar als privat gekennzeichnetem Material. Schreibe vor dem Rechnen je einen Satz zur Zielgröße und nach dem Rechnen je einen Satz zur Bedeutung der Antwort. Wenn dir das schwerfällt, trainiere diese beiden Sätze zuerst. Sie sind die Grundlage für sichere Entscheidungen in beiden veröffentlichten Testbereichen.

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