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Universität St. Gallen · Bachelor

HSG Aufnahmetest: einen Probelauf mit Zeitprotokoll auswerten

Aus Bearbeitungsdauer und Fehlern ein besseres Tempo für den nächsten Test ableiten.

Für Anmeldung, Termine und den allgemeinen Ablauf: unser Überblick zum HSG-Auswahlverfahren.

Junge Frau schreibt an einem Tisch in ein Heft; daneben steht eine analoge Uhr.

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Ein Probelauf hilft dir nur, wenn du anschließend weißt, wo die Zeit geblieben ist. Für den offiziellen Online-Eignungstest der Universität St. Gallen werden 70 Minuten genannt. Unsere Methode nutzt daher einen 70-Minuten-Trainingsblock mit eigenem Material und einem knappen Zeitprotokoll. Er ist keine Nachbildung des echten Testinhalts oder der offiziellen Aufgabenverteilung. Das Ziel ist, Entscheidungszeiten, Unterbrechungen und Fehlermuster sichtbar zu machen, damit du gezielt üben kannst.

Bestimme eine einzige Frage für den Probelauf

Lege vor Beginn fest, was du prüfen willst. „Wie viele Aufgaben schaffe ich?“ ist eine mögliche, aber grobe Frage. Präziser ist: „Bei welchem Aufgabentyp verliere ich Zeit durch mehrfaches Lesen?“ oder „Wann wird meine Kontrolle so ausführlich, dass ich nicht mehr weiterkomme?“ Eine klare Fragestellung bestimmt, was im Protokoll landet.

Wähle Material, das beide veröffentlichten Bereiche berührt: quantitatives Problemlösen sowie Diagramme und Tabellen. Achte darauf, dass die Aufgaben neu für dich sind. Wiederholte Lösungen messen Gedächtnis und nicht nur Arbeitsverfahren. Wenn du Aufgaben aus unterschiedlichen Quellen mischst, dokumentiere das. Vergleiche spätere Durchläufe nicht ungeprüft, weil Schwierigkeit und Umfang variieren können.

Notiere den Startzustand: Schlaf, Konzentration, Gerät, Störungen und gewählte Hilfsmittel. Das ist kein medizinisches Tagebuch, sondern Kontext für die Auswertung. Für den tatsächlichen Test gelten Notebook oder Desktop, Kamera, Mikrofon und Ton; ein einfacher Taschenrechner ist erlaubt, andere Hilfsmittel nicht. Richte deinen Probelauf so ähnlich wie praktikabel ein, ohne vorzugeben, dass er die offizielle Prüfung vollständig simuliert.

Halte Zeit fest, ohne jede Sekunde zu verwalten

Ein übergenaues Protokoll stört die Bearbeitung. Verwende deshalb nur drei Markierungen: Beginn einer Aufgabe oder eines Blocks, Moment einer bewussten Entscheidung zum Weitergehen und Ende. Du kannst Aufgaben nummerieren und neben jeder Nummer einen groben Zeitstempel notieren. Alternativ teilst du die 70 Minuten in mehrere Abschnitte und hältst am Abschnittsende fest, welche Fragen offen sind.

Beispiel eines knappen Eintrags: „12:40 Aufgabe 6 begonnen; 15:10 Ansatz unklar, markiert und weiter; 31:20 zurück; 33:00 gelöst.“ Aus dieser Zeile lernst du, dass die Aufgabe zweimal Aufmerksamkeit beanspruchte. Ob das sinnvoll war, hängt vom Ergebnis und den Alternativen ab. Die bloße Gesamtdauer von gut vier Minuten würde diesen Verlauf verschleiern.

Verwende Codes für drei Arten von Zeit: L für Lesen/Verstehen, R für Rechnen und P für Prüfen/Entscheiden. Trage sie nicht sekundengenau ein. Nach einem Block markierst du nur, welche Phase ungewöhnlich lang war. Damit vermeidest du, das Training in eine dauernde Selbstbeobachtung zu verwandeln.

Baue eine bewusste Weitergeh-Regel ein

Zeitdruck führt oft zu zwei gegensätzlichen Fehlern: zu langes Festhalten an einer unklaren Aufgabe oder zu frühes Springen, bevor ein einfacher Ansatz geprüft wurde. Formuliere vor dem Probelauf deine Weitergeh-Regel. Zum Beispiel: Nach einem ersten vollständigen Lesen muss ich Zielgröße und Beziehung benennen können. Wenn das nicht gelingt, prüfe ich noch einmal gezielt die Daten. Bleibt die Lücke, markiere ich die Aufgabe und gehe weiter.

Diese Regel ist unsere Trainingsmethode, keine Vorschrift der Universität. Ihr Wert liegt darin, eine Entscheidung bewusst zu machen. Schreibe im Protokoll kurz den Grund: „fehlende Bezugsgröße“, „Rechnung zu lang“, „Diagrammachse unklar“. Wenn du später zurückkehrst, beginnt die Arbeit an dieser Stelle. Ohne Grundmarkierung liest du dieselbe Aufgabe womöglich ein drittes Mal von vorn.

Prüfe nach dem Lauf, ob deine Regel zu streng oder zu locker war. Hast du viele einfache Aufgaben unnötig verlassen? Dann gib dem ersten Ansatz etwas mehr Raum. Hast du mehrere Minuten ohne neuen Erkenntnisschritt verbracht? Dann muss die Weitergehentscheidung früher fallen. Eine sinnvolle Regel orientiert sich an deinem tatsächlichen Verhalten, nicht an einer beliebigen pauschalen Sekundenmarke.

Werte das Protokoll in drei Durchgängen aus

Erster Durchgang: Zähle die Aufgaben oder Blöcke, bei denen du einen Ansatz hattest, und diejenigen ohne Ansatz. Das trennt Zeitmangel von Verständnisproblemen. Wer 70 Minuten lang konzentriert gerechnet hat, braucht möglicherweise eine andere Verbesserung als jemand, der oft keinen Einstieg fand.

Zweiter Durchgang: Suche Zeitinseln. Wo gingen mehrere Minuten ohne neue Information verloren? Waren es wiederholtes Lesen, überflüssige Zwischenschritte, Taschenrechnerbedienung oder langes Zweifeln zwischen Optionen? Markiere maximal drei Zeitinseln. Eine lange Liste aller kleinen Verzögerungen hilft wenig.

Dritter Durchgang: Vergleiche Zeit und Richtigkeit. Eine schnelle falsche Antwort ist kein Erfolg, eine langsame richtige Antwort nicht automatisch ein Problem. Erstelle vier Felder: schnell/richtig, schnell/falsch, langsam/richtig, langsam/falsch. Wähle je ein Beispiel und prüfe den Denkweg. Langsam/richtig kann ein gutes Verfahren mit zu viel schriftlicher Kontrolle zeigen. Schnell/falsch kann auf übersehenen Bezug hinweisen. Erst diese Verbindung ergibt eine Übungsempfehlung.

Rechne ein kleines Protokollbeispiel durch

Angenommen, ein eigener Trainingsblock enthält 20 Aufgaben. Acht löst du in durchschnittlich zwei Minuten richtig, vier in zwei Minuten falsch, vier in jeweils vier Minuten richtig und vier bleiben offen. Die bearbeiteten Aufgaben beanspruchen 8×2 + 4×2 + 4×4 = 40 Minuten. Für die offenen Aufgaben und Wechsel blieben 30 Minuten. Daraus folgt nicht automatisch, dass alle offenen Aufgaben „zu schwer“ waren. Du musst prüfen, ob du dort einen Ansatz begonnen, lange gelesen oder bewusst übersprungen hast.

Nehmen wir an, drei der offenen Aufgaben wurden je fünf Minuten gelesen und dann verlassen. Das sind 15 Minuten ohne abgeschlossene Lösung. Eine gezielte Übung könnte nun nicht „schneller rechnen“, sondern „Zielgröße in den ersten zwei Lesevorgängen benennen“ sein. Gleichzeitig könnten die vier schnellen falschen Antworten eine getrennte Kontrollroutine verlangen. Zwei verschiedene Probleme brauchen zwei verschiedene Maßnahmen.

Die Zahlen dieses Beispiels sind fiktiv. Sie zeigen, wie ein Protokoll eine Entscheidung ermöglicht. Eine Trefferquote aus diesem Material kann nicht in eine offizielle HSG-Punktzahl oder Zulassungswahrscheinlichkeit umgerechnet werden. Die veröffentlichte Auswahlbeschreibung enthält keine dafür geeignete allgemeingültige Punktetabelle.

Wiederhole den Lauf mit nur einer Änderung

Für einen zweiten 70-Minuten-Block wählst du eine Intervention. Wenn du Zeit durch langes Lesen verloren hast, nutzt du die Zielgrößenkarte. Wenn du bei Antwortoptionen zu lange gezögert hast, probierst du eine feste Gegenprobe. Wenn du zu früh springst, veränderst du die Weitergeh-Regel. Ändere nicht alles gleichzeitig.

Halte die Bedingungen möglichst ähnlich: Tageszeit, Geräteumgebung, Materialumfang und Protokollform. Es wird dennoch kein streng kontrolliertes Experiment, weil neue Aufgaben anders schwer sein können. Beurteile deshalb vor allem das Zielverhalten. Hast du weniger Aufgaben ohne benannte Zielgröße verlassen? Hast du falsche Antworten vor Abgabe erkannt? Solche Beobachtungen sind aussagekräftiger als eine kleine Veränderung der Gesamtzahl.

Falls die zweite Runde schlechter ausfällt, suche erst nach einer Erklärung im Protokoll. Vielleicht war das Material schwieriger oder die neue Regel noch ungewohnt. Eine einzelne Runde sollte keine panische Umstellung der gesamten Vorbereitung auslösen. Wiederhole eine kleine Teilübung, bevor du deinen Plan veränderst.

Muster eines auswertbaren 70-Minuten-Protokolls

Teile dein Blatt vor dem Start in vier Spalten: Zeitstempel, Aufgabe oder Block, Beobachtung und spätere Prüfung. Eine mögliche fiktive Folge beginnt um 00:00 mit einem quantitativen Block. Um 12:00 notierst du „fünf Aufgaben bearbeitet; eine unsicher; zweimal den Ausgangswert neu gesucht“. Um 25:00 steht „Datenblock begonnen; erste Tabelle sofort verstanden“. Um 39:00 folgt „drei Minuten in einer mehrdeutigen Zeile verbracht; weitergegangen“. Um 55:00 notierst du „Rückkehr zu markierten Fragen“. Um 70:00 endet der Block.

Bei der Auswertung zeichnest du keine künstlich exakte Leistungskurve. Du suchst die Entscheidungen, die Zeit kosteten. Die Bemerkung bei Minute 12 deutet auf eine Bezugsgrößenübung. Die Stelle bei Minute 39 braucht eine Leseanalyse: War die Zeile tatsächlich mehrdeutig oder hattest du die Tabellenüberschrift übersehen? Die Rückkehr bei Minute 55 ist nur dann sinnvoll, wenn du bei den markierten Fragen einen Ansatz wieder aufnehmen konntest. Falls du alle erneut vollständig lesen musstest, ergänze beim nächsten Lauf ein kurzes Stichwort zum offenen Punkt.

Rechne anschließend, wie viel Zeit nicht in abgeschlossene Antworten floss. Diese Zahl ist kein „Verlust“, denn Nachdenken und Korrigieren gehören zur Bearbeitung. Sie wird erst dann zum Trainingsbefund, wenn du eine wiederholte Schleife ohne Erkenntnis findest. Unterscheide deshalb produktive Prüfzeit von bloßem Kreisen um dieselbe Vermutung.

Wähle eine Kennzahl, die zu deiner Frage passt

Wenn du langsame Einstiege untersuchen willst, miss den Anteil der Aufgaben, bei denen du nach einem ersten Lesen Zielgröße und Beziehung nennen konntest. Wenn du Antwortkontrolle prüfen willst, zähle erkannte und korrigierte Fehler vor dem Abschluss. Wenn du Wechselkosten untersuchen willst, vergleiche die erste Aufgabe nach einem Bereichswechsel mit den folgenden. Eine einzige Gesamtkennzahl kann diese unterschiedlichen Prozesse nicht abbilden.

Beispiel: Im ersten Lauf hast du bei 6 von 20 Aufgaben keinen Ansatz nach zwei Lesevorgängen. Nach einer Woche gezielter Zielgrößenübung sind es bei neuem Material 3 von 20. Das ist ein sinnvolles Signal, selbst wenn die Zahl richtiger Antworten wegen höherer Schwierigkeit gleich bleibt. Prüfe aber die Aufgabenqualität und wiederhole den Befund in einem weiteren Block. Aus zwei Trainingsläufen folgt keine offizielle Prognose.

Wenn du zu viele Kennzahlen sammelst, wird das Protokoll zur eigenen Belastung. Wähle vor dem Start eine Hauptfrage und höchstens zwei ergänzende Beobachtungen. Die übrigen Details können warten. Ein gutes Zeitprotokoll beeinflusst die nächste Übung; es ist kein Selbstzweck.

Was passiert danach?

Übertrage aus dem Probelauf höchstens zwei Trainingsziele in die nächste Woche. Schreibe für jedes Ziel eine konkrete Übung, ein Messzeichen und einen Kontrolltermin auf. Beispiel: „Bei zehn neuen Tabellenfragen die Bezugsgruppe vor dem Rechnen markieren; Erfolg, wenn ich sie ohne Korrektur erklären kann.“ Plane dann einen weiteren Probelauf, wenn genug Zeit für echte Veränderung dazwischenliegt. Kurz vor dem offiziellen Test dient ein ruhigerer Durchlauf eher der Routine als dem Sammeln neuer Themen. Die aktuellen technischen Vorgaben und die vom Testanbieter versendete Einladung bleiben für den Prüfungstag maßgeblich.

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