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Universität St. Gallen · Bachelor

Überschlag und Plausibilität im HSG Aufnahmetest nutzen

Ergebnisse vor dem Rechnen eingrenzen und danach mit Größenordnungen kontrollieren.

Für Anmeldung, Termine und den allgemeinen Ablauf: unser Überblick zum HSG-Auswahlverfahren.

Zwei junge Erwachsene besprechen an einem Bibliothekstisch ein Blatt Papier.

Ein Überschlag ersetzt keine genaue Lösung, kann aber eine falsche Antwort früh sichtbar machen. Für die Vorbereitung auf den Online-Eignungstest der Universität St.Gallen (HSG) empfehlen wir, vor schwierigen Rechnungen einen Erwartungsbereich festzulegen und nach der Rechnung Einheit, Richtung und Größenordnung zu prüfen. Das ist besonders nützlich in den von der HSG genannten Bereichen quantitatives Problemlösen sowie Diagramme und Tabellen. Die HSG veröffentlicht keine bestimmte Liste von Überschlagsaufgaben; alle Beispiele hier sind eigene Zulassungscoach-Übungen, keine offiziellen Testfragen.

Was ein guter Überschlag leisten soll

Ein Überschlag beantwortet nicht immer die Prüfungsfrage exakt. Er zeigt dir, in welcher Größenordnung die Antwort liegen sollte. Wenn eine Rechnung etwa 20 Prozent von rund 500 betrifft, erwartest du ungefähr 100. Ein Ergebnis von 1.000 sollte dich sofort stoppen. So entdeckst du Faktorenfehler, falsch gesetzte Dezimalstellen oder einen vertauschten Bruch.

Wir empfehlen, den Überschlag vor der exakten Rechnung zu machen. Danach ist man leicht versucht, eine grobe Schätzung an das bereits berechnete Ergebnis anzupassen. Eine vorher notierte Erwartung ist unabhängiger. Sie darf breit sein: „zwischen 80 und 120“ reicht oft, um 1.000 als Fehler zu erkennen.

Zulassungscoach-Übung 1: Wie viel sind 19 Prozent von 520? Für den Überschlag nimmst du 20 Prozent von 500 = 100. Die genaue Rechnung ergibt 0,19 × 520 = 98,8. Das Ergebnis liegt nahe an der Erwartung. Hättest du 988 erhalten, wäre vermutlich die Dezimalstelle falsch gesetzt.

Richtung vor Zahl: Muss das Ergebnis größer oder kleiner werden?

Ein Richtungscheck ist noch schneller als ein Überschlag. Wenn der Nenner eines Bruchs bei gleichem Zähler wächst, sinkt der Anteil. Wenn ein Preis einen Rabatt erhält, muss der Endpreis unter dem Ausgangspreis liegen. Wenn du zwei positive Mengen addierst, kann das Ergebnis nicht kleiner als beide Summanden sein. Solche einfachen Aussagen fangen viele Fehlansätze ab.

Zulassungscoach-Übung 2: Ein fiktiver Anteil beträgt 30 von 60 und später 30 von 75. Ohne Rechnung weißt du: Der Anteil sinkt, weil die Teilmenge gleich bleibt und das Ganze wächst. Die genauen Werte sind 50 Prozent und 40 Prozent. Eine Lösung „Anteil steigt“ wäre schon durch den Richtungscheck ausgeschlossen.

Wir empfehlen, bei jeder neuen Übungsaufgabe eine Erwartung in Worten zu formulieren: „muss steigen“, „muss sinken“, „ungefähr gleich“, „zwischen diesen beiden Werten“. Erst danach setzt du den Taschenrechner ein. Die Richtung ist oft inhaltlich leichter zu erkennen als die exakte Zahl.

Grenzen und obere/untere Schranken nutzen

Manchmal lässt sich ein Ergebnis zwischen zwei leicht berechenbare Werte einschließen. Diese Schranke ist stärker als eine vage Schätzung. Wenn ein Faktor zwischen 1,9 und 2,0 liegt und der andere genau 50 ist, liegt das Produkt zwischen 95 und 100. Ein berechneter Wert von 105 kann nicht stimmen.

Zulassungscoach-Übung 3: 47 Personen bezahlen jeweils zwischen CHF 18 und CHF 20. Wie hoch kann die Gesamtsumme ungefähr sein? Eine untere Schranke ist 47 × 18 = CHF 846; eine obere 47 × 20 = CHF 940. Ohne genaue Einzelpreise lässt sich kein exakter Gesamtbetrag bestimmen. Die Aussage „CHF 1.050“ wäre mit den Angaben unvereinbar.

Dieser Gedanke ist wichtig für Fragen, bei denen nicht genug Daten für eine genaue Antwort vorhanden sind. Ein plausibler Wert ist noch keine belegte Zahl. Wir empfehlen, zwischen „ungefähr möglich“, „sicher mindestens“, „sicher höchstens“ und „exakt bestimmbar“ zu unterscheiden.

Einheiten als Plausibilitätskontrolle

Die Einheit kann zeigen, ob die Operation richtig war. Strecke geteilt durch Zeit ergibt Geschwindigkeit. Strecke mal Zeit ergibt keine Geschwindigkeit. Wenn du CHF pro Person suchst, teilst du Gesamtkosten durch Personenzahl. Wenn du versehentlich die Personenzahl durch CHF teilst, entsteht eine andere Einheit.

Zulassungscoach-Übung 4: Ein fiktives Projekt kostet CHF 2.400 für 80 Personen. Gesucht sind Kosten pro Person. 2.400 CHF / 80 Personen = 30 CHF pro Person. Die Gegenrechnung 80 / 2.400 ergäbe Personen pro CHF und beantwortet die Frage nicht. Selbst ohne ausgerechnete Zahl kannst du den Fehler an der Einheit sehen.

Auch Skalierungen in Tabellen gehören dazu. Eine Grafik mit „Werte in Tausend“ darf nicht wie eine Grafik mit Einheiten gelesen werden. Wenn eine Tabelle 2,4 Millionen und eine andere 2.300 Tausend zeigt, liegen die Werte nah beieinander. Ein direktes Vergleichen von 2,4 und 2.300 wäre unplausibel, weil die Skalen verschieden sind.

Rückrechnung: Passt die Antwort in die Ausgangslage?

Nach einer exakten Lösung kannst du das Ergebnis in die ursprüngliche Beziehung einsetzen. Bei einem Anteil multiplizierst du den berechneten Prozentsatz mit dem Ganzen und prüfst, ob die Teilmenge herauskommt. Bei einer Geschwindigkeit multiplizierst du die Rate mit der Zeit und erwartest die Strecke. Bei einer Gleichung ersetzt du die Unbekannte durch dein Ergebnis.

Zulassungscoach-Übung 5: Eine fiktive Menge steigt um 25 Prozent und beträgt danach 200. Der Ausgangswert ist 200/1,25 = 160. Rückrechnung: 25 Prozent von 160 sind 40; 160 + 40 = 200. Wer stattdessen 25 Prozent von 200 abzieht, erhält 150. Die Rückrechnung 150 × 1,25 = 187,5 zeigt sofort, dass 150 falsch ist.

Wir empfehlen, die Rückrechnung besonders bei inversen Fragen zu nutzen: „Welcher Anfangswert führt zu diesem Endwert?“ Dort wird die Prozentbasis häufig verwechselt. Die Kontrolle ist oft schneller als eine komplette zweite Lösung.

Diagramme kritisch statt nur optisch lesen

Ein plausibler visueller Eindruck kann täuschen, wenn die Achse nicht bei null beginnt oder eine logarithmische Skala verwendet wird. Eine doppelt so hohe Säule im Bild bedeutet nicht automatisch den doppelten Datenwert. Lies Achsenwerte, Einheit und Legende. Ein Überschlag aus der Grafik muss sich auf Zahlen beziehen, nicht auf die bloße Pixelhöhe.

Zulassungscoach-Übung 6: Eine fiktive Säulengrafik startet ihre vertikale Achse bei 90 und zeigt Werte 95 und 100. Der sichtbare Balkenabschnitt des zweiten Werts kann doppelt so hoch erscheinen wie der des ersten (10 statt 5 Einheiten über dem Achsenbeginn). Die tatsächlichen Werte unterscheiden sich aber nur um 5, relativ zu 95 etwa 5,3 Prozent. Wer die sichtbaren Balkenhöhen vergleicht, zieht eine falsche Schlussfolgerung.

Bei Tabellen kannst du einen ähnlichen Check verwenden. Wenn eine Gesamtzeile kleiner als eine positive Teilzeile ist, stimmt möglicherweise die Einheit, der Zeitraum oder die Lesart nicht. Kontrolliere Fußnoten, bevor du „Fehler in der Tabelle“ annimmst.

Wann ein Überschlag nicht genügt

Bei engen Antwortoptionen oder kleinen Differenzen kann ein breiter Überschlag mehrere Möglichkeiten zulassen. Dann brauchst du eine genaue Rechnung. Überschlagen ist ein Werkzeug zur Vororientierung und Kontrolle, nicht zum systematischen Raten. Wenn zwei Werte 98,8 und 99,2 zur Auswahl stehen, sagt „ungefähr 100“ nicht genug.

Wir empfehlen die Reihenfolge: Erwartungsbereich, exakte Rechnung, Gegenprobe. Unter selbst gesetztem Zeitdruck kannst du später lernen, welche Schritte sehr kurz sein dürfen. Die HSG nennt für den gesamten Online-Eignungstest 70 Minuten, veröffentlicht aber keine verbindliche Zahl von Aufgaben. Eine pauschale Zeitregel pro Überschlag wäre deshalb nicht belastbar.

Ein einfacher Taschenrechner ist nach HSG-Angaben erlaubt. Nutze ihn für die genaue Arithmetik, nachdem du den Ansatz verstanden hast. Wer zuerst tippt und danach überlegt, kann eine präzise Zahl für eine falsche Beziehung produzieren. Plausibilitätsprüfungen sind gerade dann wertvoll, wenn ein Rechner im Spiel ist.

Ein kompaktes Übungsset

Aufgabe A: 12 Prozent von 490. Überschlag: 10 Prozent von 500 sind 50, 12 Prozent sollten etwas darüber liegen. Exakt: 58,8. Ein Ergebnis 588 ist unplausibel.

Aufgabe B: 75 von 300 Personen sind erfolgreich. Anteil? Überschlag: Ein Viertel von 300 sind 75, also 25 Prozent. Exakt bestätigt.

Aufgabe C: Ein Wert fällt von 800 um 30 Prozent. Endwert? Überschlag: 30 Prozent von 800 sind 240; Rest 560. Exakt 800 × 0,70 = 560. Ein Wert über 800 würde die Richtung verletzen.

Aufgabe D: Drei Stunden für 210 Kilometer. Rate? Grob 200/3 ≈ 67 Kilometer pro Stunde; exakt 70. Rückrechnung: 70 × 3 = 210.

Aufgabe E: Zwei positive Gruppen haben 120 und 90 Mitglieder. Gesamt? Exakt 210. Eine Antwort 200 kann als grober Überschlag dienen, aber nicht als exakter Wert. Wenn die Frage „mindestens 200?“ lautet, genügt die Gegenprobe.

Diese Aufgaben sind bewusst einfach gehalten. Ziel ist, Schätzung, Richtung und exakte Antwort voneinander zu unterscheiden. Erhöhe erst danach die Zahl der Zwischenschritte oder kombiniere mehrere Tabellenwerte.

Zusatzübung: Eine falsche Lösung gezielt widerlegen

Zulassungscoach-Übung 7: Jemand behauptet, 18 Prozent von 250 seien 450. Du brauchst nicht sofort den exakten Wert. Da 100 Prozent von 250 genau 250 sind, müssen 18 Prozent deutlich darunter liegen. Der behauptete Wert ist unmöglich. Exakt sind es 45. Diese Reihenfolge – erst Schranke, dann Rechnung – ist besonders hilfreich, wenn eine Antwortmöglichkeit um einen Faktor zehn verschoben ist.

Zulassungscoach-Übung 8: Eine fiktive Strecke beträgt 240 Kilometer. Eine Person fährt angeblich durchschnittlich 800 Kilometer pro Stunde und benötigt dafür drei Stunden. Die Rückrechnung 800 × 3 = 2.400 Kilometer widerspricht der genannten Strecke. Die korrekte Durchschnittsgeschwindigkeit ist 240/3 = 80 Kilometer pro Stunde. Die Gegenprobe arbeitet mit der Bedeutung der Rate; sie ist mehr als eine zweite Division.

Zulassungscoach-Übung 9: Eine Gruppe hat 36 erfolgreiche Personen unter 90 Teilnehmenden. Eine Lösung nennt 60 Prozent. Du kannst mit einem Überschlag prüfen: Die Hälfte von 90 wäre 45. Da 36 darunterliegt, muss die Quote unter 50 Prozent liegen. Exakt sind es 36/90 = 40 Prozent. Ein Richtungscheck verhindert, dass du versehentlich 90/36 oder den Rest 54 als Zähler verwendest.

Wir empfehlen, falsche Lösungen gelegentlich absichtlich zu erfinden: Faktorfehler, vertauschter Bruch, falsche Einheit. Versuche dann, sie ohne vollständige Rechnung zu widerlegen. So trainierst du nicht nur das Finden der richtigen Zahl, sondern erkennst typische Fehlerbilder schon beim Lesen einer Antwortoption.

Das Plausibilitätsprotokoll kurz halten

Ein Plausibilitätscheck darf die eigentliche Aufgabe nicht verdrängen. Notiere in Übungseinheiten höchstens eine Zeile zur Erwartung, beispielsweise „zwischen 40 und 50, weil 20 % von 200 = 40“. Nach der exakten Rechnung genügt ein Häkchen oder eine kurze Erklärung des Widerspruchs. Wenn du für jeden Überschlag eine zweite lange Rechnung anlegst, verliert die Methode ihren Zeitvorteil. Das Ziel ist ein unabhängiger, schneller Test der Größenordnung.

Dein nächster Schritt

Nimm fünf Aufgaben aus dem offiziell verlinkten HSG-Übungstest oder aus eindeutig privatem Material. Notiere vor jeder Rechnung eine Größenordnung und Richtung. Löse exakt und markiere, ob die Gegenprobe gelungen ist. Wenn eine Aufgabe trotz richtiger Rechnung außerhalb des Erwartungsbereichs landet, untersuche zuerst Einheit und Bezugsgröße. So wird der Überschlag zu einer verlässlichen Kontrollgewohnheit statt zu einer zusätzlichen Ratestrategie.

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