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Universität St. Gallen · Bachelor

HSG Aufnahmetest: reichen die Angaben für eine Antwort?

Datenlücken, versteckte Annahmen und unzulässige Schlüsse mit eigenen Aufgaben aufdecken.

Für Anmeldung, Termine und den allgemeinen Ablauf: unser Überblick zum HSG-Auswahlverfahren.

Junger Mann blickt nachdenklich auf ein skizziertes Schaubild und macht Notizen.

Ob eine Datenfrage lösbar ist, entscheidest du nicht nach der Menge sichtbarer Zahlen, sondern nach der Verbindung zwischen gesuchter Größe und gegebenen Angaben. Eine Tabelle kann umfangreich wirken und dennoch die entscheidende Bezugsgröße auslassen. Umgekehrt können zwei Zahlen und eine klare Definition ausreichen. Wir von Zulassungscoach empfehlen dir eine Informationsprüfung in vier Schritten: Zielgröße benennen, benötigte Beziehung formulieren, vorhandene Angaben zuordnen und einen Gegenfall suchen. Die folgenden Aufgaben sind von uns entwickelte Lernbeispiele. Sie bilden keinen behaupteten Aufgabentyp und keine Originalfragen des HSG-Online-Eignungstests ab.

Warum „es fehlen Daten“ eine begründete Aussage sein muss

Im Online-Eignungstest der Universität St. Gallen werden quantitatives Problemlösen sowie Diagramme und Tabellen geprüft. Du musst aus Daten und Aussagen tragfähige Schlüsse ziehen. Im Training lohnt es sich deshalb, zwischen drei Befunden zu unterscheiden: Die Information reicht aus; sie reicht nur unter einer zusätzlichen Annahme; oder sie reicht nicht aus. Diese Unterscheidung ist eine allgemeine Denkfertigkeit, unabhängig davon, welche konkrete Frage später im Test erscheint.

„Ich weiß es nicht“ ist keine methodische Antwort. Schreibe präzise: „Für die relative Veränderung fehlt der Ausgangswert“ oder „Für den Durchschnitt pro Person fehlt die Personenzahl“. So benennst du die Lücke. Ebenso präzise musst du sein, wenn genügend Angaben vorliegen: „Gesamtmenge und Anteil sind gegeben; daraus lässt sich die Teilmenge berechnen.“

Der häufigste Fehler besteht darin, eine vertraute Zahl einzusetzen, obwohl sie eine andere Größe beschreibt. Ein Endwert wird als Anfangswert verwendet, ein Umsatz als Gewinn, eine Prozentzahl als absolute Menge. Beim Datenlesen ist die Frage nicht nur, ob eine Zahl vorhanden ist. Sie muss zur gesuchten Größe passen.

Schritt 1: Schreibe die Zielgröße mit Einheit auf

Lies die Frage und formuliere ihren Kern in einem kurzen Satz. „Gesucht ist die absolute Zunahme in Stück“, „gesucht ist der Anteil der Gruppe A an allen Befragten“ oder „gesucht ist die durchschnittliche Zeit pro Person“. Die Einheit ist Teil der Antwort. Sie zeigt oft schon, welche Rechenoperation infrage kommt. Eine gesuchte Anzahl lässt sich nicht unmittelbar aus zwei Prozentwerten gewinnen, wenn die Gesamtmenge fehlt.

Nutze eine kleine Zielkarte: Größe, Einheit, Bezug. Bei einer Veränderung gehört zusätzlich der Zeitraum dazu. Beispiel: „Anteil der neu zugelassenen Personen an allen Bewerbenden im selben Jahr“. Ohne Jahr und Grundgesamtheit wäre eine Prozentzahl leicht missverständlich. Diese Karte brauchst du nur für schwierige Aufgaben auszuschreiben; mit Übung läuft sie im Kopf.

Verwechsle die Zielgröße nicht mit der ersten auffälligen Zahl. Eine Diagrammsäule von 400 kann ein Bestand sein, während die Frage nach einer Veränderung oder einem Durchschnitt fragt. Halte kurz inne und prüfe, welche Operation die Frage verlangt.

Schritt 2: Formuliere die notwendige Beziehung

Schreibe vor dem Einsetzen eine Formel in Worten oder Symbolen. Für eine absolute Veränderung brauchst du Endwert minus Anfangswert. Für einen Anteil brauchst du Teilmenge geteilt durch Gesamtmenge. Für eine mittlere Menge pro Person brauchst du Gesamtmenge geteilt durch Anzahl der Personen. Das sind didaktische Grundbeziehungen, keine Behauptung über einen offiziellen Stoffkatalog.

Die Beziehung macht eine fehlende Information sichtbar. Wenn die Frage nach einem Anteil gestellt wird und du nur die Teilmenge kennst, fehlt die Grundgesamtheit. Wenn die Frage nach einem neuen Preis nach Rabatt fragt und ursprünglicher Preis sowie Rabattanteil vorliegen, reichen die Angaben. Du musst die Operation nicht sofort rechnen, um diese Entscheidung zu treffen.

Prüfe außerdem, ob eine Angabe indirekt vorliegt. Die Gesamtmenge kann aus zwei vollständig beschriebenen Teilgruppen berechnet werden. Eine „fehlende“ Zahl ist dann rekonstruierbar. Aber das gilt nur, wenn die Gruppen tatsächlich vollständig und überschneidungsfrei sind. Die Wörter „insgesamt“, „davon“ und „restliche“ können entscheidend sein.

Schritt 3: Ordne jede Angabe ihrer Rolle zu

Erstelle bei komplexeren Beispielen drei Spalten: gegeben, abgeleitet, fehlt. In „gegeben“ gehören nur Zahlen und Beziehungen, die ausdrücklich dastehen. In „abgeleitet“ stehen Werte, die sich zwingend aus ihnen ergeben. In „fehlt“ notierst du die noch notwendige Größe. Eine Vermutung gehört in keine dieser Spalten.

Beispiel A, von uns konstruiert: In einem Kurs sind 40 Personen. 15 Personen wählen eine Übungseinheit. Gesucht ist deren Anteil. Gegeben sind Gesamtmenge 40 und Teilmenge 15. Der Anteil ist 15 geteilt durch 40, also 37,5 Prozent. Die Information reicht aus. Eine zusätzliche Angabe über die durchschnittliche Lernzeit wäre zwar interessant, aber für diese Frage irrelevant.

Beispiel B: 15 Personen wählen eine Übungseinheit. Gesucht ist deren Anteil an allen Kursteilnehmenden. Die Gesamtzahl fehlt. Weder eine geschätzte Kursgröße noch die Größe eines anderen Kurses schließt diese Lücke. Die Information reicht nicht aus. Der entscheidende Unterschied zu Beispiel A ist genau eine fehlende Bezugsgröße.

Beispiel C: Ein Kurs hat 40 Personen; 15 wählen Einheit A, 10 Einheit B, die übrigen Einheit C. Unter der Voraussetzung, dass jede Person genau eine Einheit wählt, lässt sich C als 40 minus 15 minus 10 = 15 bestimmen. Fehlt die Aussage zur einmaligen Wahl, könnten Personen in A und B zugleich sein. Dann ist C nicht eindeutig. Die Formulierung „die übrigen“ und die Information zur Zuordnung tragen den Schluss, nicht allein die drei Zahlen.

Schritt 4: Suche zwei mögliche Welten

Wenn du vermutest, dass Daten fehlen, konstruiere zwei Situationen, die alle gegebenen Angaben erfüllen, aber unterschiedliche Antworten liefern. Das ist ein starker Test auf Unbestimmtheit. Beispiel: „Eine Gruppe hat 15 richtige Antworten erzielt. Wie hoch ist ihre Lösungsquote?“ Wenn der Test 20 Fragen hatte, wären es 75 Prozent; bei 30 Fragen wären es 50 Prozent. Beide Möglichkeiten passen zur einzigen Angabe „15 richtig“. Daher ist die Quote nicht bestimmt.

Dieser Gegenfall schützt vor vorschnellen Annahmen. Du musst nicht alle denkbaren Welten aufzählen. Zwei gültige Varianten mit unterschiedlichen Ergebnissen reichen. Falls du keine zweite Variante findest, ist die Information vielleicht doch ausreichend. Dann gehe zur Beziehung zurück und suche eine indirekte Angabe.

Bei Diagrammen kannst du denselben Test anwenden. Eine Linie steigt von 60 auf 90. Wenn die vertikale Achse „Anzahl“ zeigt, beträgt die absolute Veränderung 30. Wenn sie „Index mit Basisjahr 100“ zeigt, sind 60 und 90 Indexstände; eine tatsächliche Stückzahl lässt sich daraus ohne Grundwert nicht berechnen. Die Achsenbeschriftung entscheidet, welche Welt zulässig ist.

Trainiere mit einem Drei-Minuten-Raster

Nimm eine selbst erstellte kleine Tabelle und stelle zu ihr drei Fragen: eine mit ausreichenden Angaben, eine mit genau einer fehlenden Größe und eine mit einer scheinbar hilfreichen, aber irrelevanten Zusatzangabe. Ein Partner kann die Fragen prüfen. Dieses Format schult besonders die Fähigkeit, nicht automatisch loszurechnen.

Ein mögliches Raster lautet: 30 Teilnehmende; 18 bearbeiten Aufgabe A richtig; 12 bearbeiten Aufgabe B richtig. Frage eins: Anteil mit richtiger Lösung bei A? Berechenbar: 18/30 = 60 Prozent. Frage zwei: Wie viele lösen beide Aufgaben richtig? Nicht bestimmbar, weil die Überschneidung unbekannt ist. Frage drei: Sind bei B genau 40 Prozent richtig? Berechenbar: 12/30 = 40 Prozent. Die drei Fragen nutzen dieselbe Tabelle, verlangen aber verschiedene Schlussarten.

Erweitere den Datensatz um „genau fünf lösen A und B richtig“. Nun ist Frage zwei beantwortbar. Frage dich anschließend, welche weiteren Größen ableitbar sind: A nur richtig = 18 minus 5 = 13; B nur richtig = 12 minus 5 = 7. Prüfe, ob du eine Aussage zur Zahl der Personen ohne richtige Lösung machen kannst: 30 minus (13 + 7 + 5) = 5. Jede Ableitung hängt an der expliziten Überschneidungsangabe.

Nutze eine Stoppregel für überladene Aufgaben

Manche Darstellungen enthalten viele Daten. Arbeite nicht jede Zahl nacheinander ab. Unsere Stoppregel lautet: Wenn du nach zwei Lesevorgängen die Zielgröße nicht benennen kannst, lies nur die Frage erneut und schreibe Einheit und Bezug auf. Wenn danach eine Beziehung fehlt, suche die dafür nötige Angabe gezielt. Dieses Vorgehen begrenzt Suchaufwand und verhindert, dass eine dekorative Zahl deinen Lösungsweg steuert.

Markiere in einer Übung nur drei Arten von Information: Ziel, notwendige Daten, Ausschlussgrund für andere Daten. Eine vollständige farbige Markierung des gesamten Texts kostet Zeit und verbessert die Entscheidung selten. Nach einigen Aufgaben kannst du die Markierungen reduzieren und dieselbe Prüfung gedanklich durchführen.

Die offizielle Auswahlseite veröffentlicht keine allgemeingültige Punkteschwelle, aus der du während des Tests einen sicheren Ausgang ableiten könntest. Richte dich deshalb auf die bearbeitbare Einzelfrage. Ein ungewöhnlicher Datenkontext ist kein Signal dafür, dass die gesamte Prüfung außer Kontrolle gerät.

Selbsttest: Drei Aussagen zu einer Tabelle

Erstelle eine Tabelle mit den selbst gewählten Werten „Gruppe A: 24 Personen“, „Gruppe B: 16 Personen“ und „Gruppe C: 10 Personen“. Nehmen wir an, jede Person gehört genau einer Gruppe an. Prüfe nun drei Aussagen, bevor du weiterliest: Erstens, A umfasst 48 Prozent aller Personen. Zweitens, A und B umfassen zusammen 80 Prozent. Drittens, Gruppe A hatte im Vorjahr 20 Personen. Welche Aussagen lassen sich entscheiden?

Die Gesamtzahl ist 24 + 16 + 10 = 50. Für Aussage eins beträgt der Anteil 24/50 = 48 Prozent; sie ist bestätigt. Für Aussage zwei ergeben A und B zusammen 40/50 = 80 Prozent; auch sie ist bestätigt. Aussage drei lässt sich nicht aus der Tabelle ableiten, weil keine Vorjahreszahl vorkommt. Die Formulierung kann vertraut wirken, doch ein fehlender Zeitraum ist eine echte Informationslücke.

Verändere nun die Voraussetzung: „Einige Personen konnten zwei Gruppen wählen.“ Die Summe 50 ist dann möglicherweise nicht mehr die Zahl unterschiedlicher Personen. Aussage eins und zwei sind ohne weitere Angaben nicht mehr eindeutig. Die Rechnung selbst blieb korrekt; die Bedeutung der Grundgesamtheit änderte sich. Genau dieser Unterschied zwischen rechnerischer Ausführung und tragfähigem Schluss ist das Ziel der Übung.

Schreibe zuletzt eine neue Frage, die trotz Überschneidung sicher beantwortbar bleibt, etwa „Wie viele Einträge hat Gruppe A?“ – 24. Daran siehst du, dass dieselbe Datenlage manche Fragen beantwortet und andere offenlässt. Daten sind nicht pauschal „ausreichend“ oder „unzureichend“; ihr Nutzen hängt von der konkreten Zielgröße ab.

Was passiert danach?

Führe für eine Woche ein kleines „Informationslogbuch“. Bei jeder unsicheren Aufgabe notierst du die Zielgröße, die notwendige Beziehung und eine möglicherweise fehlende Angabe. Nach zehn Aufgaben sortierst du die Fehler: falscher Bezug, übersehene indirekte Angabe oder unbegründete Zusatzannahme. Wähle dann zwei neue Transferaufgaben mit anderem Kontext. Wenn du dieselbe Informationsprüfung dort anwenden kannst, hat die Übung ihren Zweck erfüllt. Für den eigentlichen Online-Test gelten weiterhin die aktuelle Demo und die Anweisungen des Testanbieters; unsere Beispiele sind ausschließlich ein Training deiner Datenentscheidungen.

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